Broschüre 70 Jahre DBwV

ten, aus denen sich die Bundeswehr zurückzieht, Präsenz und hält Verbindung zur aktiven Truppe. Hatte der DBwV bisher vermieden, die Interessen der Soldaten lautstark und öffentlichkeitswirksam zu vertreten, macht er im Herbst 1970 mit einem „Paukenschlag“ auf die sozialen Forderungen der Soldaten aufmerksam. Von einem „historischen Augenblick“ ist die Rede, als sich erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik deutsche Soldaten zum öffentlichen Protest versammeln. Nachdem sich Hoffnungen auf eine Beseitigung des Besol- dungsrückstandes der Soldaten gegenüber dem öffentlichen Dienst nicht erfüllen, organisieren die Bereichs- und Bezirksvorsitzenden des DBwV Protestkundgebungen in München, Regensburg, Hammelburg, Trier und Wilhelmshaven. Als Bun- deskanzler Willy Brandt sowie Verteidigungsmi- nister Helmut Schmidt ein Eingehen auf die wich- tigsten Forderungen signalisieren, setzt der DBwV weitere Proteste vorerst aus. Gespräche und Ver- handlungen mit politischen Entscheidungsträgern verbindet der Verband von nun an mit der Mobili- sierung seiner Mitglieder. Um in seiner dienstlichen Eigenschaft nicht mehr vom Wohlwollen desMinisters abhängig zu sein, lässt sich der Bundesvorsitzende Heinz Volland für die Dauer seines Mandats ohne Bezüge vom Ministerium frei- stellen und führt fortan den DBwV hauptamtlich. Auf der 9. Hauptversammlung im Juni 1973 beschließen die 300 Delegierten, die inzwischen 160 000 Mit- glieder repräsentieren, eine neue Satzung. Auf ihrer Grundlage stellt sich der DBwV kampagnenfähig auf. Eine neue Rechtsschutzordnung und ein erstmals in der Verbandsgeschichte angenommenes Grundsatz- programmmarkieren den Start für die programmati- sche Absicherung der in der Praxis bereits erfolgten Entwicklungdes Verbandes von einer reinen „Lebens- hilfe-Vereinigung der ersten Stunde“ zum politisch einflussreichen Berufsverband. Die Einrichtung des Geschäftsführenden Vorstands (GfV) als Satzungsor- gan bildet einen wesentlichen Schritt zu dessen Pro- fessionalisierung. Um die Tendenz zur Zentralisation auszugleichen, werden die federführenden Verbands- beauftragten in den sechs Wehrbereichen aufgewer- tet. Unterstützt werden sie durchGeschäftsstellenmit hauptamtlichen Mitarbeitern. Ihre Amtszeit wird auf vier Jahre erweitert und sie erhalten Sitz und Stimme imBundesvorstand. Statt wie bisher 18 gehören dem Bundesvorstand nun 25Mandatsträger an. Aus ehren- amtlichen Vermittlern zwischen demBundesvorstand und den Kameradschaften in den sechs Wehrberei- chen entwickeln sie sich zur „Mittelinstanz“, aus der sich später die Landesverbände formieren. Die 1974 erstmals durch den DBwV ausgerichteten Zielgruppentagungen für Wehrpflichtige begrün- den ein jährlich gestaltetes festes Format, für das sich der Begriff „Parlament der Wehrpflichtigen“ einbürgert. Die während der jährlich stattfindenden Tagungen hierarchiefrei geführten Debatten wur- den in den Medien als Indikator für die Stimmung in der Truppe wahrgenommen. Regelmäßig nah- men der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundes- tages, Mitglieder der Bundestagsfraktionen sowie Repräsentanten der Führungsstäbe der Streitkräfte an den Tagungen teil. Der Einfluss der Wehrpflich- tigen wird institutionell in der Verbandsstruktur ver- ankert. Seit 1977 wirken sie durch einen Beisitzer im Bundesvorstand an der Meinungs- undWillens- bildung des Verbandes mit. Als Selbsthilfeeinrichtung gründet der DBwV 1977 die Förderungsgesellschaft mbH (FöG). Als ge- meinnützige Gesellschaft führt sie die Aufgaben des seit 1960 bestehenden Förderungsvereins fort. Sie übernimmt die Abwicklung wirtschaftlicher Ak- tivitäten für den DBwV, vermittelt Versicherungen, Bausparverträge, Reisen sowie Aus- und Weiter- bildungen. Zu ihren Aufgaben gehört es, Versor- gungslücken der Mitglieder des DBwV zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Seit Mitte der 70er-Jahre setzen während einer län- ger andauernden Rezession hohe Arbeitslosigkeit, Preisanstieg und Steuermindereinnahmen den verbandspolitischen Forderungen enge Grenzen. Der DBwV erkennt die Notwendigkeit von Aus- gabenkürzungen an, wendet sich aber dagegen, dass die drastischen Sparmaßnahmen die Solda- ten und zivilen Beschäftigten der Bundeswehr am härtesten treffen. Mit vielfältigen Initiativen und parlamentarischen Vorstößen, die im Bundestag besonders durch die Abgeordneten Peter Würtz und Hermann Stahlberg unterstützt werden, ge- lingt es, die gröbsten Härten zu mildern. Honoriert wird das Engagement des Verbandes durch einen Mitgliederzuwachs. ImOktober 1976 schafft es der DBwV, die 200 000er-Marke zu „knacken“. • 21 70 Jahre DBwV

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