Broschüre 70 Jahre DBwV
DER GEDANKE EINER „SELBSTHILFEORGANISATION” DER SOLDATEN ZÜNDET 1956– 1959 50ER DER JAHRE Highlights 12 70 Jahre DBwV Die ersten Schritte E s ist keine Übertreibung, wenn man den 14. Juli 1956 als einen historischen Tag in der deutschen Militärgeschichte würdigt. An die- sem Samstagvormittag schließen sich im Bundes- wehrstandort Munster-Lager in der Lüneburger Heide 23 Offiziere, 25 Unteroffiziere und 7 Mann- schaftsdienstgrade zu einer einheitlichen soldati- schen Interessenvertretung zusammen und grün- den den Deutschen BundeswehrVerband. An die Spitze des geschäftsführenden Vorstands wählen sie Oberstleutnant Karl-Theodor Molinari. Einige der 55 Soldaten, die am 14. Juli 1956 im Wirt- schaftsgebäude der Panzertruppenschule Muns- ter-Lager zusammengekommen sind, werden sich erst im Verlauf des Vormittags bewusst, dass es um mehr als die Erfüllung naheliegender Forderungen geht – nämlich um die Gründung eines Berufsver- bandes aller Soldaten der Bundeswehr. Probleme bei der Unterbringung der Soldaten, der Ausrüstung, der Ausstattungmit Uniformen und der Auszahlung des Soldes belasteten die Soldaten. Schmerzliche Lücken zeigten sich besonders hin- sichtlich der rechtlichen und sozialen Absicherung. Als nach dem tragischen Unfalltod eines Kameraden alle Bemühungen um die materielle Unterstützung der Familie erfolglos bleiben, findet der Gedanke einer „Selbsthilfeorganisation“ der Soldaten, wel- che ohne Einhaltung des Dienstweges direkt mit den zuständigen Instanzen verhandeln kann, wach- senden Zuspruch. Es ist nicht lediglich die Unzufrie- denheit mit organisatorischen Unzulänglichkeiten, sozialen Missständen und mit einzelnen Mängeln in der Menschenführung, die die Gründer der be- rufsständischen Interessenvertretung motivieren. Sie handeln in dem Bewusstsein, dass mit der Bun- deswehr eine neue Armee aufgebaut wird, die von bewussten Staatsbürgern und nicht von Untertanen getragen wird. Demokratie undmilitärische Disziplin werden im Deutschen BundeswehrVerband durch kameradschaftliches Zusammenwirken der verschie- denen Dienstgrademiteinander verbunden. Sie ste- hen nicht, wie anfangs von einigen älteren Offizie- ren und auch von Verteidigungsminister Theodor Blank befürchtet, miteinander im Gegensatz. Die Anerkennung von Befehl und Gehorsam sowie die Nichteinmischung in truppendienstliche Belange bilden den Grundkonsens der Verbandsgründer. Andererseits bedeutet der Verzicht auf Streiks oder streikähnliche Maßnahmen zur Durchsetzung sozia- ler Forderungen keinesfalls ein „Wohlverhaltens- bekenntnis um jeden Preis“. Die Idee einer dienstgradübergreifenden Interes- senvertretung der Soldaten zündet, weil es den Gründern mit wenig Geld aber viel Enthusiasmus gelingt, ihre Kameraden für den neuen Verband zu begeistern. Vier Gruppen, denen jeweils ein Offi- zier, ein Portepeeunteroffizier und ein Mannschafts- soldat angehören, werben als „Verbandsmissiona- re“ in allen Garnisonen der Bundeswehr Mitglieder und bauen ein Netz von Verbindungsleuten für
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