Broschüre 70 Jahre DBwV
DER LANGE WEG ZUR SPITZENORGANISATION DER SOLDATEN 1980– 1989 80ER DER JAHRE Highlights D ie Ende Dezember 1979 begonnene Inter- vention der Sowjetunion in Afghanistan überschattet den Jahreswechsel. Der DBwV richtet sich für die 80er-Jahre auf eine „Dekade der Entscheidungen“ ein und bekräftigt seinen An- spruch, mehr als eine materiell orientierte „Solda- tenlobby“ zu sein. Als „Spitzenorganisation mit be- sonderer Verpflichtung zum Interessenausgleich“ greift der DBwV mit detaillierten Konzeptionen zur Gesamtverteidigung, zum Gemeinschaftsdienst, zur sicherheitspolitischen Lage sowie zur personel- len Bedarfsdeckung der Streitkräfte in die öffent- liche Debatte ein. Anfang der Achtziger fehlen der Bundeswehr 30 000 länger dienende Zeitsoldaten, davon 20 000 Unteroffiziere. Dem Personalmangel geschuldet leisten laut einer internen Erhebung 82 Prozent der Soldaten eine durchschnittliche statistische Wo- chenarbeitszeit von 56 Stunden. In dieser Situation verfügt der Inspekteur Heer 1982 eine Absenkung der Wochenarbeitszeit um vier Stunden. Die Maß- nahme folgt weniger der Fürsorge für Soldaten als vielmehr haushaltspolitischen Erwägungen, da sie weder durch einen Personalaufwuchs noch durch eine Verminderung der Aufgaben ausgeglichen wird. Die verantwortlichen Kompaniechefs stehen vor unlösbaren Aufgaben. In der Konsequenz ver- lieren rund 40 000 Soldaten ihren Anspruch auf die monatliche Zulage für mehr geleistete Arbeit, wäh- rend die Belastung im täglichen Dienst steigt. Auf den Protest des DBwV reagiert Generalinspekteur Jürgen Brandt mit Gesprächsverweigerung und unterstellt dem DBwV ein „bedenkliches Verhält- nis von Befehl und Gehorsam“. Als trotz der Inter- vention des Wehrbeauftragten und des Verteidi- gungsausschusses die Zusatzvergütung für eine große Zahl der Soldaten eingestellt wird, nimmt der DBwV den Fehdehandschuh auf. Er ruft seine Mitglieder für den 27. April 1982 zu einer zentralen Protestveranstaltung zusammen. Das BMVg ver- sucht, die Werbung für die Veranstaltung unter demMotto „Schluss mit den Dienstzeittricks – Sol- daten lassen sich nicht alles gefallen!“ mit rechtli- chen Mitteln zu verhindern und erleidet vor Gericht eine Niederlage. Mit der Kundgebung der über 2000 Wehrpflichtigen, Zeit- und Berufssoldaten in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle beweist der DBwV seine Mobilisierungsfähigkeit. Gegenüber dem Ministerium signalisiert der Bundesvorstand zugleich die Bereitschaft, in der gemeinsamen Ver- antwortung für die Gesellschaft einen Kompromiss zu finden. Trotz der weiterhin angespannten Haus- haltslage setzt der DBwV durch, dass schließlich im Bundeshaushalt 1984 die Mittel für die Vergütung von Spitzendienstzeiten aufgestockt werden, so- dass allen Soldaten, die in Einheiten mit mehr als 56 Wochenstunden im Jahresdurchschnitt Dienst leisten, die Ansprüche erhalten bleiben. Der DBwV setzt verstärkt auf die Mobilisierung der Mitglieder, wenn Sachargumente ungehört blei- ben. Einige militärische Vorgesetzte, Politiker und Journalisten vernehmen daraufhin „klassenkämp- ferische Töne“ und werfen dem Verband „gewerk- schaftliches Auftreten“ vor. Heinz Volland reagiert auf den Vorhalt mit der Richtigstellung: „Unser Ver- band ist funktional eine Gewerkschaft, obwohl sehr 24 70 Jahre DBwV
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