Broschüre 70 Jahre DBwV
viele Mitglieder dies gefühlsmäßig vielleicht nicht sein möchten.“ Nachdem sich der DBwV zum aner- kannten Sprecher der Soldaten auch außerhalb der Bundeswehr entwickelt hat, behandeln ihn Bundes- regierung und Parlament als Spitzenorganisation und beteiligen ihn bei der Vorbereitung allgemei- ner Regelungen der soldatenrechtlichen Verhält- nisse. Unausgesprochen wird der DBwV damit als gewerkschaftliche Organisation anerkannt. Nach dem Bundestag stimmt 1983 auch der Bundesrat dem Beteiligungsrecht der Spitzenorganisation der Soldaten zu. Damit ist der Weg frei für eine offizielle Beteiligung des DBwV bei der Vorbereitung ge- setzlicher Regelungen, die das beamtenrechtliche Verhältnis betreffen. Nach 18 Jahren an der Spitze des DBwV verzich- tet Heinz Volland auf der Hauptversammlung 1985 auf eine erneute Kandidatur. Zu seinemNachfolger wählen die Delegierten den bisherigen Vorsitzenden Heer Rolf Wenzel. In einem Interview mit „Associa- ted Press“ am Rande der Hauptversammlung sorgt der scheidende Bundesvorsitzende noch einmal für Kontroversen. Für das Ziel der Spitzenorganisation der Bundeswehrsoldaten, alle Einschränkungen staatsbürgerlicher und sozialer Rechte zu beseiti- gen, die sich nicht zwingend aus dem militärischen Auftrag ergeben, werde der Verband „wenn es not- wendig ist, selbstverständlich auch auf die Straße gehen“. Dafür, dass der „Bürger in Uniform“ immer noch keine Dienstzeitregelung, keine Überstun- denbezahlung sowie keine Mitbestimmungsrechte kennt, macht Volland eine „Politik des Nichtstuns“ durch Verteidigungsminister Manfred Wörner ver- antwortlich, der 1982 als Oppositionspolitiker im Kampf gegen die Dienstzeitbelastung an der Seite des DBwV gestanden hat. Dieser lässt den Vorwurf nicht auf sich sitzen. Nachdem ein Gesetzentwurf zumDienstzeitausgleich auf heftige Kritik des DBwV gestoßen war, gelingt im Dezember 1988 mit dem durch den Bundestag verabschiedeten „Gesetz zur Neuregelung der Vergütung für Spitzendienstzeiten der Soldaten“ endlich der Durchbruch. Geregelte Dienstzeiten, planbare Freizeit und Ausgleichsan- sprüche für mehr geleisteten Dienst sind nun auch für sie keine Fremdwörter mehr. Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest 1988 wird mit einem pro- minent besetzten Festakt das Bildungswerk des DBwV, die Karl-Theodor-Molinari-Stiftung aus der Taufe gehoben. Mit vertrauensbildenden Maßnahmen trägt der DBwV am Ende des Jahrzehnts dazu bei, den sich abzeichnenden Wandel in den Staaten des War- schauer Paktes zu unterstützen. Gegen Widerstän- de wagt eine Delegation des DBwV imFebruar 1988 erstmals den Sprung über den Eisernen Vorhang. In Moskau ist man interessiert, die „größte solda- tische Interessenvertretung der westlichen Welt“ kennenzulernen. Die sowjetischen Gesprächspart- ner kündigen den bevorstehenden Abzug ihrer Soldaten aus Afghanistan an und verabschieden die DBwV-Delegation mit dem Wunsch, dass die Deutschen „eines Tages wiedervereint seien“. Als am 9. November 1989 in Berlin die Mauer auf Druck der Bevölkerung der DDR geöffnet wird, bleiben die Soldaten der NVA und der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte in den Kasernen. 1989 nutzen der Bundesvorsitzende Wenzel und der Schatzmeister Martin Michels die Teilnahme am außerordentlichen SPD-Parteitag im Westteil Berlins für einen Besuch im Ministerium für Natio- nale Verteidigung der DDR. In demGespräch infor- mieren sie die dortigen Offiziere über die Arbeits- weise des DBwV und bekunden ihr Interesse an einer schnellen Verbindungsaufnahme mit einem zu gründenden soldatischen Berufsverband in der DDR. • 25 70 Jahre DBwV
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